Studentenverbindungen im heutigen Sinne entstanden an deutschsprachigen Universitäten seit dem späten 18. Jahrhundert. Sie übernahmen einzelne Elemente der älteren Formen studentischer Zusammenschlüsse und entwickelten sie weiter. Allgemein lässt sich heute eine Vielzahl von Verbindungsarten unterscheiden. Zu den bekanntesten gehören dabei wohl Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften und christliche Verbindungen.
Einige Traditionen werden von den meisten Verbindungen geteilt. Zu ihnen gehört etwa das Tragen des sogenannten „Couleur“ (frz. für „Farbe“). An farbenfrohen Mützen und Bändern lässt sich bis heute in vielen Fällen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Verbindung ablesen. In anderen Belangen unterscheiden sich Verbindungsarten grundsätzlich. Beispielsweise verfolgen Corps im Kontrast zu Burschenschaften dezidiert keine politischen Ziele. Vielmehr liegt der Fokus auf der Charakter- und Persönlichkeitsbildung des Einzelnen.
Am Abend des 4. November 1871 trafen sich 18 Studenten im Restaurant „Alt-Bayern“ und gründeten den Akademischen
Verein Delta. Damals wie heute bestanden die Ziele des Delta in einer gemeinsamen Bewältigung des akademischen Studiums
und dem geselligen Beisammensein in studentischem Frohsinn. Dem gaben jene jungen Studenten vor 150 Jahren mit unserem
Wahlspruch Ausdruck: „Ernst mit Lust gepaart, heißt bei uns Studentenart!“ Im verbindungsstudentischen
Rahmen stellt dieser eine ebenso ungewöhnliche Besonderheit dar, wie auch der griechische Name.
Der Name Delta ergibt sich aus einer Reihe symbolischer Bedeutungen. Zunächst ist die geometrische Figur des Dreiecks
eines der Hauptwerkzeuge des technischen Studenten und drückt eine Verbundenheit zu den Ursprüngen unserer Alma Mater aus.
Des Weiteren stellt das Delta eine Verkörperung des Mottos „Hosti frontem amico pectus“ (lat. „Dem Freund die Brust,
dem Feind die Stirn“) dar. Die sicherlich poetischste Auslegung stammt allerdings von unserem verstorbenen Corpsbruder
Professor Carl Sieben, der das Symbol im Dezember 1919 so deutete:
Das Delta, das dem Jünger der Wissenschaft auf der Schwelle der Unendlichkeitsrechnung den Begriff des Kleinen vermittelt, das ihn daran mahnt, dass auch wir nur kleine Teile eines Ganzen sind und welches uns vor Stolz und Überheblichkeit schützt.
Zum Corps wurde das Corps Delta mit dem Beitritt zum Weinheimer Senioren-Convent (WSC) 1903. Seither führt es die Farben weiß-rot-gold. Sieben Jahre später wurde das Haus Turmstraße 38 angekauft und als Corpshaus feierlich eingeweiht. Während des Ersten Weltkrieges diente es als Kasino für verwundete Offiziere. Heute steht dort die Mensa Academica, die 1920 von unserem Corpsbruder Ludwig Hansen begründet wurde.
Unter dem Regime der Nationalsozialisten wurde das Corps Delta in seiner eigentlichen Form auf starken Druck des Reichsstudentenführers hin 1935 aufgelöst, indem es sich von seinem Dachverband suspendieren lassen musste. Der Mensurbetrieb wurde eingestellt und die Verbindungsfarben durften nicht mehr getragen werden. Um die Gemeinschaft dennoch aufrechtzuerhalten, wurde im gleichen Jahr die „Kameradschaft Mehler“, benannt nach einem Corpsbruder, gegründet, die später in „Kameradschaft X“ umbenannt wurde.
Erst 1951 wurde die Suspension des Corps Delta aufgehoben und im Jahr darauf die bis heute gültige Satzung verabschiedet.
Das Corpshaus in der Turmstraße wurde während des Zweiten Weltkrieges weitestgehend zerstört. Daher verlegte man den Sitz
in die Hainbuchenstraße 23, wo mit der Feier des 83. Stiftungsfestes im Jahr 1954 das neue Corpshaus übergeben wurde.
Hier werden bis heute jedes Jahr aufs Neue Studienanfänger und Deltaner beherbergt.